Wunsch nach aktiver Beteiligung wird begrüßt

Überrascht reagiert die Stadtverwaltung auf die Kritik, die Spar und Bau, Bauverein Rüstringen und Jade Immobilien Management über die Medien geäußert haben. Gleichwohl begrüßt man die Bereitschaft der drei großen Wohnungsunternehmen, sich aktiver an der Entwicklung und Gestaltung der Stadt Wilhelmshaven beteiligen zu wollen. „Wir sind jederzeit offen für Gespräche“, so Oberbürgermeister Andreas Wagner, „und laden die Vertreter der Wohnungsunternehmen gerne zum persönlichen Gespräch ein.“ Das sei gleichzeitig eine gute Gelegenheit, das neue Vorstandsmitglied der Spar und Bau persönlich kennenzulernen.
 
Mit ihren über 14.000 Wohnungen bieten die drei Unternehmen nach eigenen Angaben rund 27.000 Wilhelmshavenern eine Heimat und kurbeln durch Investitionen die hiesige Wirtschaft ordentlich an. Die große Bedeutung, die sie damit im städtischen Leben einnehmen, hat auch die Verwaltung längst erkannt. Deswegen wird bei wichtigen städtebaulichen Projekten wie der Südstadt-Sanierung, der Bebauung der Wiesbadenbrücke oder der Umnutzung alter Schulgebäude wie etwa der ehemaligen Kathrinenfeld-Schule oder der Grundschule Siebethsburg wann immer möglich auf die örtlichen Immobilienexperten gesetzt. Durch die Anmietung von Wohnungen für Flüchtlinge, aber auch durch die Übernahme des Wohngeldes für Empfänger von Sozialleistungen und im Rahmen der Grundsicherung im Alter sei die Stadt auf der anderen Seite aber sicherlich ein ebenso wichtiger Partner für die Vermieter – schließlich zahle man die Mieten für Tausende Wohnungen zuverlässig und pünktlich. 2015 wurden allein insgesamt 25,1 Millionen Euro für die Kosten der Unterkunft nach dem SGB II aus dem städtischen Haushalt bezahlt (davon wurden 10,4 Millionen Euro vom Bund/Land erstattet) – Geld, das zu einem Großteil an die hiesigen Vermieter ging.
 
Zustimmung gibt es von der Stadtverwaltung für den geäußerten Wunsch, den Wirtschaftsstandort Wilhelmshaven zu stärken. Die Unterstützung von Betrieben bei der Ansiedlung und Schaffung von qualifizierten Arbeitsplätzen hat für die Stadt höchste Priorität. Wenn sich die Unternehmen der Wohnungswirtschaft hierbei aktiv beteiligen wollen, sei das aus Sicht der Verwaltung nur zu begrüßen. In die Pflicht nehmen möchte die Stadt die Wohnungsunternehmen allerdings, wenn es um den Zuzug von Empfängern von Sozialleistungen und Grundsicherung im Alter geht. Da sind nämlich gerade diejenigen gefordert, die mit ihren überdurchschnittlich günstigen Mieten an genau diejenigen vermieten, die die drei großen Immobilienfirmen nach eigenem Bekunden nicht anwerben wollen. „Wer in ihren Wohnungen lebt, haben die Vermieter selbst in der Hand. Als Stadt wollen, dürfen und werden wir keinen Einfluss auf die Auswahl von Mietern nehmen.“
 
Die kritischen Töne, die die Vertreter der Wohnungswirtschaft in dem Pressegespräch am Mittwoch angeschlagen haben, hat die Verwaltung durchaus wahrgenommen. „Warum man uns das aber nicht direkt sagen wollte, ist für uns nicht nachvollziehbar“, wundert sich Stadtbaurat Oliver Leinert, der mit seinen Mitarbeitern des Baudezernats aufgrund der vielfältigen gemeinsamen Projekte im regelmäßigen Kontakt mit den Unternehmen steht. „Bislang hatten wir keinen Grund von einer Verstimmung auszugehen. Insofern waren wir schon überrascht, aus der Zeitung von der Unzufriedenheit der großen Drei zu erfahren.“ Bei einem gemeinsamen Gespräch sollen nun die Unstimmigkeiten aus dem Weg geräumt und der Wunsch nach einer aktiven Einbindung erfüllt werden. Oberbürgermeister Andreas Wagner: „Unser Angebot steht, wir freuen uns auf einen Terminvorschlag!“