Fachleute der Landwirtschaftskammer geben ihre Einschätzung zu den Folgen der aktuellen Trockenheit mit Temperaturen über 30 Grad
 
Die für diese Jahreszeit ungewöhnliche Wärme und Trockenheit sorgt auf den Feldern und in den Wäldern Niedersachsens für Probleme. Während die Getreideernte bereits abgeschlossen ist, haben Landwirte, die Mais, Kartoffeln oder Zuckerrüben angebaut haben, mit den Folgen fehlenden Regens und mit Temperaturen von über 30 Grad zu kämpfen. Auf den Äckern kann das aktuelle Klima zu technischen Schwierigkeiten bei der Ernte sowie zu reduzierten Erträgen führen. In den Wäldern steigt die Gefahr von Waldbränden und von Schädlingsbefall. Experten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen geben ihre Einschätzung zur Situation:
 
Die Wälder – Rudolf Alteheld, bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen Leiter des Geschäftsbereichs Forstwirtschaft: „Die Waldbrandgefahr ist aktuell unsere Hauptsorge. Es ist für diese Jahreszeit extrem trocken. In allen Waldbeständen, ganz besonders in den Nadelholzbeständen mit viel Rohhumus aus abgeworfenen Nadeln, reicht eine achtlos weggeworfene Zigarette oder eine Glasscherbe, um ein Feuer zu entfachen. Dazu kommt das Risiko von Funkenflug, der zum Beispiel beim Grillen entstehen kann. Hier ist ganz besondere Vorsicht geboten. Unsere Laubbäume wie etwa die Buchen oder Birken reagieren auf sandigen Böden und in höheren Lagen des Landes auf die Trockenheit: Sie werfen bereits jetzt erste Blätter ab, um sich vor Austrocknung zu schützen. Dieser frühe Laubabfall ist sehr außergewöhnlich. Das derzeitige Wetter begünstigt außerdem die Ausbreitung der Kiefernbuschhornblattwespe in Privatwäldern in der Südostheide: Dieser gefährliche Schädling legt seine Eier in Kiefernbeständen in den Nadeln ab. Die notwendige Bekämpfung der Kiefernbuschhornblattwespe hat am Mittwoch auf knapp 1.000 Hektar begonnen, denn sonst wären diese Flächen von Kahlfraß durch die Larven bedroht.“
 
Die Kartoffelernte – Dr. Rolf Peters, Sachgebietsleiter für Kartoffeln bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen: „Durch die Hitze gibt es auf schweren Böden erhebliche Probleme bei der Kartoffelernte. Die Erde ist durch die Hitze so hart, dass sie sich nur schwer von den Kartoffeln trennen lässt. Weil die Kartoffeln sehr warm sind, ist das Risiko einer Fäulnis größer als gewöhnlich. Unsere Empfehlung an die Landwirte lautet daher: Kartoffeln nicht ernten, wenn sie wärmer sind als 25 Grad. Das bedeutet, dass die Ernte an heißen Tagen nur von früh morgens bis mittags laufen sollte. Die Hitze trifft nur noch späte Kartoffelsorten für die Produktion von Stärke und Pommes Frites. Es wird eine merkliche Ertragsreduktion erwartet. Wir wissen aber noch nicht, in welcher Höhe.“
 
Die Rübenernte – Dr. Ulrich Lehrke, Pflanzenbauberater bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen: „Hitze und Trockenheit beeinträchtigen derzeit die Mais- und Kartoffelernte und bereiten bei Neuansaaten wie etwa beim Raps Probleme. Die Zuckerrübe dagegen kommt mit dem Wetter ganz gut zurecht und bildet momentan in der Wärme gut Zucker. Auf schweren Tonböden gibt es aktuell das Risiko, dass Rüben bei der Ernte abbrechen können. Dort sollten die Bauern am besten warten, bis Regen den Boden wieder etwas auflockert. Denn die Erntezeit für Zuckerrüben zieht sich ja noch bis weit in den Herbst. Und wenn es regnet, legen die Rüben nochmal an Größe zu.“
 
Die Maisernte – Karl-Gerd Harms, Berater für Silo- und Körnermais bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen: „Der Mais hat sich das Jahr über vielerorts gut entwickelt und ist nun erst auf der Zielgeraden von der Hitze erwischt worden – deswegen werden sich die Einbußen nach unserer Einschätzung in Grenzen halten. Regional sind jedoch in Bezug auf Trockenheit große Unterschiede festzustellen: Im Raum Hannover wird der Mais nun schnell welk und sollte auf den Punkt genau zügig geerntet werden, bevor die Pflanze abstirbt. Im nördlichen Niedersachsen dagegen gibt es beim Mais bislang wenig Probleme mit der Trockenheit.“
 
Wie die Ernte 2016 insgesamt ausfällt, wird die Landwirtschaftskammer Niedersachsen am Mittwoch, 12. Oktober, auf einer Pressekonferenz bekanntgeben.